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Interview mit dem Autor

Wer nicht an die große Liebe glaubt, wird sie nie erleben!

Fachjournalist René Wagner im Gespräch mit dem Autor Andreas Kessler über seinen Debütroman Der Traum.

März 2015

 

René Wagner: Ist es wirklich wahr, dass dich ein Traum zu deinem Buch animiert hat?

Andreas Kessler: Ja.

Was hast du geträumt?

Ich habe die Anfangsszene aus Arons Traum geträumt. Die beklemmende Situation in der kleinen Zelle, die Prüfungsangst und die Begegnung mit dem Weißen Planeten. Anders als in Arons Traum erschien mir allerdings nicht mein Vater. In meinem Traum kamen sehr große, ungewöhnlich zarte und feingliedrige Menschen mit dem Weißen Planeten. Ihr Anführer befahl seinen Leuten, mich zu erhöhen. Im nächsten Moment begann ich zu schweben und wurde von einer unglaublichen Euphorie erfasst. Nach dem Aufwachen spürte ich noch minutenlang dieses vibrierende Gefühl in mir, als stünde ich unter Drogen. Der Traum und seine Wirkung waren wirklich außergewöhnlich, fast gespenstisch.

Freud hätte mit der Interpretation keine Probleme gehabt.

Wohl kaum. Ich übrigens auch nicht. Ich hatte wochenlang jeden Abend vor dem Einschlafen um Hilfe gebeten, weil es mir damals sehr schlecht ging. Der Traum war die Wende zum Guten.

Und wie kamst Du von dem Traum zu der Idee, ein Buch zu schreiben?

Das ging ganz schnell. Am selben Morgen bin ich beruflich nach Berlin geflogen. Im Flugzeug kam mir die Idee mit dem Buch und abends im Hotel begann ich einen Plot zu schreiben. Es war ein sehr spontaner und nicht erklärbarer Entschluss. Einfach eine Eingebung.

In dem Traum haben dich Außerirdische besucht. Warum hast du keinen Science-Fiction-Roman geschrieben?

Ich hatte das zunächst tatsächlich vor, bin dann aber davon abgerückt, weil mich die Außerirdischen von dem eigentlichen Thema abgelenkt hätten, über das ich schreiben wollte. Der Weiße Planet hat trotzdem eine Nebenrolle in meinem Buch bekommen.

Und was war dieses eigentliche Thema, von dem du nicht abgelenkt werden wolltest?

Ich wollte den Kern meines Traums, dieses erhöhte Gefühl, den Sieg über die Angst, einem Protagonisten zukommen lassen, der im Hier und Jetzt lebt, in unserer westlich geprägten kapitalistischen Realität, der Welt von Geld und Leistung. Aber mein Held sollte sich diese Euphorie selbst erarbeiten, zwar mit Hilfe eines Traums und neuer Menschen, die in sein Leben treten, aber vor allem durch eigenes Handeln.

Ist es ein autobiographischer Roman?

In gewissem Sinne schon, auch wenn mein Held Aron, der ja eigentlich gar kein Held ist, nur wenig mit mir gemein hat. Was Aron und mich verbindet, und das ist das Autobiographische an dem Roman, ist die Suche nach dem Sinn des Lebens, ausgelöst durch eine Lebenskrise. Obwohl Aron ja zunächst gar nicht weiß, dass er diesen Sinn sucht.

Und wo stehst du heute auf deiner Suche nach dem Sinn des Lebens?

Noch relativ am Anfang. Ich würde sagen, ich bin fünf Jahre weiter als Aron am Ende des Buches. Vielleicht bin ich auf dem Niveau von Tom, Arons altem Schulfreund. Bis zu Arons Vater ist es aber noch ein weiter Weg.

Schade, ich hatte gehofft, du könntest mir den Sinn des Lebens erklären.

Ich für mich persönlich könnte das machen, aber ich weiß nicht, ob es dir weiterhilft, denn die Sinnfrage ist eine höchst individuelle Frage. Und es wurde ja schon sehr viel darüber geschrieben im Verlauf der Menschheitsgeschichte. Such dir aus der Schar all dieser philosophischen, religiösen und naturwissenschaftlichen Texte jene heraus, die dich am meisten ansprechen. So habe ich es auch gemacht. Mein Buch enthält auch ein paar Ideen.

Welche Ideen sind das?

Ich glaube, wir befinden uns auf einem Weg zu uns selbst. In jedem Moment müssen wir uns entscheiden, wer wir sein wollen. Und jede Entscheidung verrät uns, wer wir sind. Das ist der Sinn des Lebens.

Das klingt nicht besonders aufregend.

Das hängt davon ab, was du daraus machst. Du kannst dich treiben lassen, passiv bleiben und am Ende schauen, was rauskommt. Solange du dabei nicht zu ängstlich agierst, kann das sehr lehrreich sein. Oder du begreifst dich als Regisseur und kreierst dein Leben selbst. Erfinde dich und setze diese Person durch engagiertes Handeln in die Realität um! Dieser Weg ist zwar anstrengender, aber dafür auch lohnender.

Ist es wirklich so einfach? Das Leben hält für viele von uns schreckliche Grausamkeiten bereit.

Jeder Mensch, der über sein Leben nachdenkt, wird mit den gleichen Fragen konfrontiert: Warum bin ich, wie ich bin? Warum passiert mir, was mir passiert? Die Suche nach den Antworten bewegt sich zwischen zwei Extremen: Wir können die Ursachen für unser Schicksal in unseren Genen suchen und auf den bösen oder gnädigen Zufall verweisen. Oder wir glauben daran, für alles selbst verantwortlich zu sein. In dem Fall behaupten wir, die Gene selbst ausgesucht und das Schicksal selbst angezogen zu haben. Ich möchte hier nicht für das eine oder andere trommeln. Ich glaube aber, dass allein die Beschäftigung mit diesen Fragen sehr lohnenswert ist. Vor allem glaube ich daran, dass jeder Mensch Antworten erhält, wenn er sie wirklich von ganzem Herzen sucht. Menschen, die Antworten erhalten haben, sind meist sehr glückliche Menschen, egal welches Schicksal sie erleiden.

Welche Antworten erhalten Menschen, die durch Krieg oder Terror Angehörige verloren haben?

Diese Frage stellt Aron auch. Und es ist die vielleicht schwierigste aller Menschheitsfragen. Wir lassen unsere Schwächsten verdursten, obwohl genug Wasser auf der Welt ist, Millionen sterben an Krankheiten, die längst heilbar sind, und wir schauen zu, wie wehrlose Kinder massakriert werden. Die vielen Millionen Opfer menschlicher Grausamkeit dürfen nicht umsonst gestorben sein! Kein einziges Opfer darf je vergessen werden! Aus meiner Sicht sind es Heilige und wir müssen alles dafür tun, die Welt endlich zu einem besseren Ort zu machen, damit diese Heiligen nicht umsonst gestorben sind.

Aron wird in deinem Buch mit der Frage konfrontiert, ob ein Mensch wiedergeboren werden kann. Glaubst du an Reinkarnation?

Wiedergeburt ist die technische Vorraussetzung für den Sinn des Lebens, so wie ich ihn mir vorstelle. Außerdem lassen sich rätselhafte Phänomene, wie das Sprechen nie erlernter Sprachen im Trancezustand, mit Reinkarnation einfacher erklären. Es ist daher sehr verlockend, an Reinkarnation zu glauben. Die Frage nach deren Existenz ist auch deswegen so interessant, weil sie uns zu weniger populären, dafür aber noch interessanteren Fragen führt: Wer sind wir wirklich? Was ist unser Ich und gibt es wirklich nur eine Realität, die für uns alle gleich aussieht? Oder haben wir es mit unendlich vielen Realitäten zu tun, so wie uns einige Quantenmechaniker glauben machen wollen?

In deinem Buch geht es nicht nur um Arons Suche nach dem Sinn des Lebens und seine mysteriöse Familiengeschichte. Du beschreibst auch die dramatischen Vorgänge auf der Führungsebene seiner Firma „Huform“, die in einen existenziellen Machtkampf münden. Wie passt das zusammen, der Sinn des Lebens und Unternehmensführung? Diese Themenkombination ist durchaus ungewöhnlich.

Für einen Roman mag sie ungewöhnlich sein, für das reale Leben jedoch nicht. Heutzutage geraten viele Menschen durch den enormen Druck im Arbeitsumfeld in eine Krisensituation, die sie veranlasst, über den Sinn des Lebens nachzudenken. Da wäre es doch schade, wenn die durch die Beschäftigung mit dem Sinn des Lebens gewonnenen Erkenntnisse nicht auch zurück in den Arbeitsalltag fließen würden.

Welche Erkenntnis über den Sinn des Lebens lässt du in deinem Roman der Firma Huform zukommen?

Das Verhalten der Geschäftsführung von Huform erscheint aus Sicht der Mitarbeiter unmenschlich und sinnlos. Sie ertragen es, weil sie auf den Lohn angewiesen sind. Leider ist das nicht nur in meinem Buch die Lebenswirklichkeit vieler Arbeiter und Angestellten. Der Firma Huform schadet die Unzufriedenheit der Mitarbeiter. Die Situation ändert sich erst, als Aron seine Angst überwindet und bei der Geschäftsführung um mehr Gemeinsinn kämpft. Er und seine Mitstreiter zeigen, dass mit einem sinnstiftenden Plan, der durch leidenschaftliches Handeln von der Fantasie in die Realität überführt wird, auch unmögliche Dinge möglich werden. Das Prinzip ist auf jedes individuelle Leben und auf jede Firma und ihre Führungskräfte zu übertragen. Es braucht einen klaren Plan für die Erreichung eines sinnstiftenden Ziels. Und je mehr Leidenschaft, Liebe und Fantasie alle Beteiligten in die Umsetzung einbringen, desto weniger werden sie sich von Rückschlägen und Widerständen aufhalten lassen. So funktioniert Erfolg.

Kommen wir zum Schluss zu dem vielleicht wichtigsten Handlungsstrang deines Buches, der schicksalhaften Beziehung zwischen Aron und Marie, Robert und Nora. Glaubst du an die große Liebe?

Oh ja, unbedingt. Ich habe schon als Kind daran geglaubt. In Liebesdingen gibt es keinen Zufall. Wer nicht an die große Liebe glaubt, wird sie nie erleben!

Ein feuriges Bekenntnis – aber die Protagonisten in deinem Buch teilen deine Meinung nicht. Sie sind durch Probleme mit ihren Müttern für eine erfüllende Liebesbeziehung blockiert.

Ja, das stimmt. Die Beziehung zu unseren Eltern und deren Vorbildfunktion in Sachen Liebe haben einen dramatischen Einfluss auf unser eigenes Liebesleben. Wer in Liebesdingen dauerhaft unglücklich ist, sollte die Rolle seiner Eltern hinterfragen und daran arbeiten, sich davon zu befreien. Eine sehr schwierige Aufgabe.

Wie kann die Befreiung gelingen?

Mit psychologischer Hilfe oder durch regelmäßige und nachhaltige Selbstsuggestion. Wir müssen das Schicksal herausfordern und uns entscheiden, was wir wirklich mit ganzem Herzen wollen. Dann besteht eine gute Chance, dass sich das Blatt irgendwann zum Guten wendet und wir die große Liebe doch noch erfahren.

Und wie lösen Aron und Robert ihre Probleme mit der Liebe?

Beide fordern das Schicksal heraus. Der eine, indem er sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt und endlich den Kopf abschaltet, der andere, indem er mit dem Kopf durch die Wand geht.

Mit welchem Ergebnis?

Da musst du schon bis zur letzten Seite des Buches lesen.

Das werde ich! Und sage: danke für das Interview.

 

René Wagner ist Fachjournalist für ITK und Literatur, Bildungsreferent und Coach, war insgesamt zehn Jahre Mitglied der Jury des Deutschen Hörbuchpreises und tobt sich seit 1999 als Audioproduzent und Sprecher aus, außerdem als redaktioneller Begleiter seines Steckenpferdes Hörliteratur. Im Jahr 2010 gründete er den Verein Hörspiel-Gemeinschaft e.V. (www.hoerspiel-gemeinschaft.de), ein Netzwerk von mehr als 100 Branchenakteuren, zur Förderung der Kunstform Hörspiel, der Königsklasse des Hörbuchs.